geändert am 12.07.2006 - Version Nr.: 1. 13

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Konzert-Kultur

Anekdotenbericht: Am 30. Juni erlebte Kuddelowski das Ende des Viertelfinalspiels am Gänseliesel und beobachtete die Siegesfeier. Freudige Menschen feiern mit gestressten Kindern und Hunden im Freuden-Tumult.

Bereich: Alltag;Freizeit;Kultur ~ erzählen ~

Dr. Dieter Porth - GöttingenJedes Ereignis wurde im jeweiligen Zeitablauf beobachtet.. Lediglich die Person von Kuddelowski ist erfunden. Wegen dieser Vermischung von Realität und Fiktion wird, nennt sich dieser Textform Anekdotenbericht. Den Anekdotenbericht schrieb Dr. Dieter Porth.
Bei einer Siegesfeier nimmt jeder Mensch die Feier anders wahr. Vieles passiert an verschiedenen Orten. Jeder nimmt die Feier des Sieges der deutschen Mannschaft aus seiner Sicht wahr Viele Menschen denken und handeln ähnlich. Die Beschreibungen sind für den Anekdotenbericht dramaturgisch gesetzt worden, ohne aber den Zeitablauf der Siegesfeier zu verändern. Der Beobachter Kuddelowski ist frei erfunden. Er wird mit seinem Gedanken zum Kommentator und Erklärer der Ereignisse während der Feier.
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Pressemitteilung Bürgerstimmen im Göttinger-Land [ Homepage ] (Dr. Dieter Porth)

[Göttingen - 05.07.06] [Bericht]


Porth 2006 © Aber auch die Polizei schaut Fußball am Markt.

Aber auch die Polizei schaut Fußball am Markt.


Anekdotenbericht zur Siegesfeier nach dem Viertelfinale am 30. Juni am Markt
Hallo, ich bin Kuddelowski. Eigentlich kann ich Fußball nicht ausstehen. Aber dem Rummel zur Fußball-WM kann ich mich entziehen. Man möchte sich schließlich dazugehören. Am 30. Juni saß ein Mann allein auf dem Stuhl eines Straßencafes. Er saß allein. Er saß am Rande, dicht bei dem Gänseliesel-Brunnen. Es begann gerade das Elfmeter-Schießen beim Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Argentinien.
Während des Elfmeterschießens
Es ist schon merkwürdig, wie stark das Fußballspiel die Aufmerksamkeit vieler Menschen in Anspruch nimmt. Neben Kuddelowski saßen zwei reife Frauen  Kommentarpiktogramm  . Es machte sich in der Umgebung eine angespannte Unruhe breit. Die Frauen drehten ihre Stühle mit Sitzkissen in Richtung des Fernsehers um. Den hatte der Wirt aufgestellt, trotzdem waren nur noch viele Tische frei, weil man im hellen Hintergrund auf dem kleinen Bildschirm nur wenig erkennen konnte. Die Fans stapelten sich bei anderen Gaststätten. Nach dem sich die beiden reifen Frauen dem Fernseher zugewandt hatten, änderte sich ihre Körperhaltung. Die eine Frau zeigte ihre Aufregung durch eine angespannte Körperhaltung. Die eine Hand hielt sie als Faust halbhoch; mit der anderen Hand hielt sie die Hand ihrer Freundin fest. Die Freundin saß dagegen sehr ruhig daneben und starrte gebannt auf den Fernseher. Schade, das ich ihre Gesichter nicht sehen kann. Die Frau mit der halbhohen Faust beißt sich garantiert gleich die Zunge ab. Bei der anderen ist das Gesicht garantiert versteinert. Wie Schlange und Hase nebeneinander!? Es ist schon interessant, was die Körperhaltungen über die Gedanken eines Menschen sagen können - wirklich? Die eine Frau symbolisiert den Aktionismus während die andere Frau unter Anspannung zum Stein wird.  
Ich führe mich hier auf wie ein Idiot. Ich sitze hier und schreibe und gucke und schreibe. Ich grenze mich doch aus. Im Göttingen geht es zu wie in einer Kleingartenkolonie. Statt der Hecken nimmt man teils kunstvoll geschmiedete Gitter, um die Zone für die Außentische abzusichern. In dem Cafe auf der anderen Seite des Zaunes, links von Kuddelowski, saß eine alte Dame. Sie saß aufrecht und würdevoll um. Sie ließ ihren Blick über die Fans zum Fernseher und zurück schweißen. Die Frau fühlt sich trotz der schützenden Umzäunung unsicher. Ihr hektischer Blick zum Fernseher und den Fan zeigt, dass sie mit der Situation wenig anzufangen weiß. Kuddelowski sollte mit seiner Einschätzung recht behalten. Schon in den ersten fünf Minuten während der Siegesfeier, nachdem Deutschland das Elfmeter-Schießen gewonnen hatte, verließ sie ihren Platz im einzäunten Cafe.
Während des Spiels saßen einige Männer und Frauen am Gänseliesel und skandierten "Deutschland, Deutschland"-Rufe. Sie saßen aber nicht vorm Fernseher und hatten auf kein Radio dabei. Neben dieser Gruppe saß auf der Treppe vor dem Gänseliesel-Brunnen eine Frau, die scheinbar im Sitzen schlief. Ob dies Obdachloses sind? Ich bin mir nicht sicher, denn ich bin nur selten in der Stadt und kann mir die Gesichter dieser ausgegrenzten Menschen einfach nicht merken. Kurz vor Ende des Viertelfinalspiels weckte eine andere Frau diese schlafende Frau. Zusammen gingen sie mit einem Hund vom Gänseliesel fort.

Nach dem Elfmeterschießen die Feier
Nach dem Elfmeterschießen   Kommentarpiktogramm  schritten viele Menschen zügig zum Gänseliesel. Schon bald war der Platz um das Gänseliesel gefüllt. Auf dem Rand des Brunnen vom Gänseliesel tanzten die Menschen. Es war richtig eng auf dem Rand, so dass nur Schunkeln und Arme-Schwenken in Frage kam. Schon nach kurzer Zeit erklommen aufgekratzte Fans den Überbau des Gänseliesels. Die Stange der Wetterfahne schwankte bedenklich, als sich sechs Menschen dort oben festhielten und die Deutschland-Deutschland rufe ertönen ließen. Komisch. Irgendwie schaffen es die Fans, nicht in den Brunnen zu fallen. Wie machen die es eigentlich mit dem Wasserstrahl vom Gänseliesel? Wird da keine Nass.
Nach einiger Zeit fand sich auf der Spitze des Gänseliesels ein deutscher Fan mit Puste-Tröte und gab den Rhythmus für die Freudenrufe und Schlachtrufe vor. Die anderen Fans auf dem Gänseliesel schwenkten ihre Fahnen und skandierten "Deutschland, Deutschland"-Rufe. Auch das Lied "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" wurde angestimmt. Das Lied funktioniert nicht. In dem Tumult der Freude ist das Lied zu schwierig. Die Freude erfasst jeden und jeder lebt es auf seine Art aus. Der Rufer auf dem Gänseliesel trat in Konkurrenz zu den Trommlern, die das Gänseliesel umrundeten. Hierbei nahmen sie die Menschen in einer Art Polonaise mit und wanderten vor dem Gänseliesel auf und ab. Die Koordination zwischen dem da oben und dem Trommler ist nur schwach ausgeprägt. Trotz der Enge bleiben die Menschen bei ihrer Freude in kleinen Gruppen. Sie orientieren sich an dem, was ihre Nachbarn machen und lassen sich von weit entfernten Aktionen wenig stören.
Manche Besucher brachten ihre Kinder mit. Die kleineren Kinder wurden auf Schultern getragen und schauten neugierig über das Spektakel. Freudig schwenkten sie Fahnen und schauten sich neugierig um. Grölende Kinder habe ich nicht gesehen, für die ist das Ereignis nur interessant aber nicht wichtig. Größere Kinder mussten natürlich auch an dem Spektakel teilnehmen. Als kleine Menschen sahen sie natürlich nur die Hüften der Erwachsenen. Diese Kinder zeigten eher einen angespannten Ausdruck. Die haben an dem Kram sicher keinen Spaß. Sie müssen in der Masse doch aufpassen, dass sie nicht getreten, geschubst oder umgelaufen werden. Das Chaos ist für sie unangenehm. Das gleiche Elend hatten übrigens auch die Hunde auszustehen. Sie fühlten sich in der Masse nicht wohl. Wie blind manche Menschen sind. Da schleppten sie ihre Kinder und Tiere in dieses Gewühl und bereiten in ihrer Freude ihren Liebsten großes Unbill.
Aber auch die Armut zeigte sich versteckt bei diesem Spektakel. Natürlich hatte viele Jugendliche sich ihre eigenen Bier- und Weinflaschen mitgebracht. Wenn die Flaschen leer waren, wurden sie einfach auf den Boden gestellt. Ab und zu hörte man aus der Menge das Bollern solcher leeren Falschen. Zu dieser Zeit schob eine ältere Frau ihr Fahrrad durch die Menge und sammelte die Flaschen in ihren Fahrradkorb. Diese Sammler findet man nicht nur heute hier. Wie oft sieht man in Göttingen Menschen schon in Papierkörbe schauen. Wie viele gelbe Säcke werden von solchen Pfandflaschensammlern geöffnet, weil einer seine Pfandflasche darin versteckt hat. Die Armut nimmt in Göttingen zu. Nach ungefähr einer halben Stunde waren diese Sammler nicht mehr zu sehen. Statt dessen erklang immer häufiger das Klirren von Flaschen. Auch das knirschende Zerbersten von Scherben unter Schuhsohlen der Fans erklang immer häufiger. In der aktuellen Saison laufen viele Frauen und auch manche Männer ohne Strümpfe in ihren Sandalen herum.



Porth 2006 © Von dem leicht erhöhten Standpunkt auf einer Mülltonne bekommt man einen besseren Überblick. über einen kleinen Teil der Menschen, die später auf den Markt strömen werden.

Von dem leicht erhöhten Standpunkt auf einer Mülltonne bekommt man einen besseren Überblick. über einen kleinen Teil der Menschen, die später auf den Markt strömen werden.


Porth 2006 © Am Markt, dem zukünftigen Feierplatz, treffen sich natürlich mehr Menschen. Man möchte schließlich schnell vor Ort sein.

Am Markt, dem zukünftigen Feierplatz, treffen sich natürlich mehr Menschen. Man möchte schließlich schnell vor Ort sein.


Porth 2006 © Es gibt aber auch Gaststätten mit einem mehr Publikum.

Es gibt aber auch Gaststätten mit mittelviel Publikum.



Porth 2006 © Die Stammgäste halten zur Heimatkneipe und schauen Fußball.

Die Stammgäste halten zur Heimatkneipe und schauen Fußball.


Porth 2006 © Die Lust verging vielen Menschen, als die Masse der Scherben ein bestimmte Maß überstieg.

Die Lust verging vielen Menschen, als die Masse der Scherben ein bestimmte Maß überstieg.


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